Ich weinte.

Tränen rannen wie Salzsäure über meine Wangen.

Ich schämte mich zu weinen. Und noch mehr, weil alle Kinder der 5b mir dabei zuschauten.

Mein Englischlehrer hatte versucht, mir das „th“ beizubringen. Und weil ich genau wusste, dass ich es nicht konnte, schrie ich nur: Ich kann es nicht! Und weinte.

Etwas nicht auf Anhieb zu können, war für mich schlimmer als 10 Regenwürmer auf einmal hinunterzuschlucken. Lieber wollte ich mir die Zunge abbeißen als etwas falsch zu sagen oder zu machen.

Ich saß in der Falle. Ich geriet in Panik. Rausrennen traute ich mich nicht. Und eine Erdspalte, in der ich vor Scham versinken konnte, tat sich nicht auf.

Da passierte etwas, das mich überraschte

Mein Lehrer schimpfte nicht und ließ mich die Übung nicht sinnlos wiederholen.

Er schenkte mir Geduld.

Er schwieg. Und er lächelte sein gutmütiges Lächeln: Was eurer Mitschülerin gerade passiert ist, passiert uns allen, egal wie alt wir sind. Wir können etwas nicht und geben auf.

Und an mich gewandt: Wenn du glaubst, etwas nicht zu können, schlägst du eine Tür zu, die schwer wieder aufgeht. Ich kann es nicht! Rums, die Tür ist zu.

Mach sie wieder auf!

Mein Lehrer breitete die Arme aus. Lächelte und ließ die Arme sinken.

Ich weiß, dass du wütend bist. Aber versuch es mal mit:

Ich kann es noch nicht!

Ich wiederholte den Satz und war immer noch stinkewütend. Aber ich fühlte mich seltsam beruhigt.

Damals wusste ich „noch“ nicht warum. Und dass dieses kleine Wort „noch“ mich mein Leben lang begleiten würde. Immer wenn ich glaubte, etwas nicht zu schaffen, dachte ich an daran und schaffte es besser.

Bis heute.

Ich kann zwar bis heute kein gutes „th“. Aber das liegt daran, dass ich es noch nicht kann. 😉
(Vielen Dank, Herr Maass! Wo auch immer Sie jetzt sind.)

Ein kleines Wort, mit dem du mehr lernst als mit 1000 großen Worten

Denk einmal an die letzte Situation, in der du dachtest: „Ich kann das nicht“ oder „Ich schaff das nicht“.

  • Du warst im Fitnessstudio und die letzte Wiederholung einer Übung war einfach nicht mehr drin.
  • Du standest neben einer engen Parklücke und wusstest schon vorher, dass du da nicht reinkommst.
  • Du präsentiertest deine Arbeit, und die Gesichter dir gegenüber strahlten nur Skepsis aus.

Dir fällt bestimmt eine ähnliche Situation ein, die unangenehm war.

Probier’s in der nächsten Situation aus, in der der Schweinehund dich besiegen will. Auch wenn sich innerlich alles sträubt.

Ich kann es nicht.
Tief durchatmen. Und dann füge ein „noch“ ein: Ich kann es noch nicht.

Ich verspreche dir, es macht einen Unterschied.

Noch. Dieses kleine Wort wirkt wie ein Trick: Du wirst automatisch lernen anstatt zu scheitern.

Es räumt dir eine zweite Chance ein und lässt dich Kraft sammeln.

Der Glaube an dich selbst kann so stark sein, dass du es in der Situation selbst doch noch schaffst. Ist alles drin!

Glaube an dich und deine Fähigkeiten

Ein „Ich schaff das nicht“ oder „Ich kann das nicht“ ist wie ein Gurkenglas, das du nicht auf bekommst. Innerlich hast du schon abgeschrieben, das Glas aus eigener Kraft aufschrauben zu können. Gedanklich hast du schon jemanden gerufen, der es für dich öffnet. Du hast schon längst überlegt, wo du Hammer und Nagel hast, um das Glas klein zu kriegen. Eigentlich wäre es ja auch egal, wie du das Glas auf bekommst. Ob aus eigener Kraft, mit Hilfe oder Gewalt.

Eigentlich.

Aber eigentlich hast du aufgegeben und damit die Chance vertan, an dich zu glauben und zu wachsen.

Wage das nächste Mal ein Experiment: Auch wenn die Hand vom vielen Drehen schon schmerzt und du das Gurkenglas nicht auf bekommen hast.

Noch nicht.

Sag dir: Ich will es jetzt aus eigener Kraft schaffen. Und schau dir an, was passiert!

Mit deiner kreativen Selbstständigkeit läuft es nicht anders. Wenn du nicht daran glaubst, wachsen zu können, bleibst du stehen. Wenn du aber mit jedem „noch“ eine Tür mehr aufmachst, stehen sie dir alle offen. Entscheide du!

Wie viel gesunder Ehrgeiz steckt in dir

Ich war ein überehrgeiziges Kind, das nicht über sich lachen konnte, wenn etwas nicht sofort klappte. Das ist ungesund.

Ich war nicht offen genug, um mit kleinen Tricks automatisch lernen zu wollen.

Dabei ist Lernen genau die Gabe, die du ein Leben lang nutzen kannst.

Übertriebener Ehrgeiz führt zu Stress. Gesunder Ehrgeiz lässt dich automatisch lernen und mit Gelassenheit wachsen. Und das macht deine kreative Selbstständigkeit erfolgreich!

Warum es unwichtig ist, was andere machen?

Du schaust mit Neid auf andere und denkst: Das schaffe ich nie so gut!

Alles, was du siehst ist: Jemand anders kann es besser. Dann fange ich gar nicht erst an. Und das sind die Gedanken, die sich in dir weiter fortpflanzen. Sie führen zu der Tür, auf der „Ich kann nicht“ steht. Und sie bleibt verschlossen.

Es ist ein fundamentaler Fehler zu denken, dass die Ziele eines anderen deine sein müssen! Du bist du. Mit deinen eigenen Zielen.

Darum sage ich es dir NOCH einmal mit den Worten meines alten Lehrers: Mach die Türen auf und lass den Mief raus!

Du kannst es noch nicht!
Na und?

Wenn es wirklich dein Ziel ist, es zu können, wirst du mit einer entspannten Einstellung zum „noch“ automatisch lernen. Und dein Ziel erreichen.

Und kauf dir gleich ein Glas Gurken zum Üben! Denn ohne Humor wird’s nicht gehen. 🙂

Deine Sonja
PS: Lebe das Leben, das du leben willst. Mit Gelassenheit. Und Spaaaß!

PPS: Ich traf während meines Studiums in Kanada ein Mädchen aus Venezuela. Spanische Muttersprachler beherrschen das berüchtigte „th“ aus dem Effeff. Nach einer Flasche Wein und mehreren Lachattacken konnte ich es auch – kurzfristig. Aber genau wie die Wirkung von Alkohol war dieses Können flüchtig. Ich bleib dran.

Wenn du meinst, jemand anders müsste auch noch gelassener werden, dann teile diesen Artikel und schenk ihm ein „noch“!