„Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.“
– Gottlieb Wilhelm Daimler

Die lustigsten Fehleinschätzungen stammen von den größten Experten auf ihrem Gebiet.

Gottlieb Wilhelm Daimler konnte die Entwicklung nicht erahnen. Sein Irrtum erwuchs aus seiner Überzeugung und dem Glauben an eine Kleinigkeit: Fahren ohne Chauffeur wird es niemals geben!

Bereits 1888 fuhr Bertha Benz auf der ersten Autofahrt ganz ohne Chauffeur. Und seitdem ist die Erfolgsgeschichte der motorisierten Fortbewegung nicht mehr zu stoppen.

Die Menschheit wird gewiss irren, solange es sie gibt. Aber bis dahin hast du noch Zeit, den berühmten Schritt zur Seite zu treten und zu schauen, was Irrtümer in deiner kreativen Selbstständigkeit anrichten können.

Hier hab ich die 10 schönsten für dich, die du – einmal erkannt – aus deinem Leben streichen kannst.

1) Man sieht doch, was ich mache.

Faktisch Sehen? Ja, vielleicht. Sehen im Sinne von Verstehen? Nein.

Nichts ist aus sich selbst heraus eindeutig.

Stell dir mal vor, du siehst bei Facebook, Instagram und Co. ein Foto von einer Oma im Arbeitskittel. Sie sitzt auf einer Harley Davidson. Kein Text dazu.

Das Foto sieht professionell aus. (Du rätselst über die Bildaussage: Ist das das Angebot eines professionellen Fotografen. Und wenn ja, wofür?)

Was würdest du machen?

Du würdest auf die 5 lustigsten Hundevideos, die die Welt je gesehen hat, klicken. Und das, obwohl das Oma-Foto interessant aussah.

Du hast dich für das Angebot entschieden, dass dir mehr Informationen geliefert hat. Du wolltest dir nichts zusammenreimen müssen. Denn das ist im Internet eine Hürde, die sofort abgestraft wird.

Zu häufig vergeben Kreative die Gelegenheit geliked oder geklickt zu werden, weil sie glauben, dass allein eine Informations-Ebene (Bild, Text etc.) ausreicht, um Kunden zu bekommen.

Gib deinen potenziellen Kunden lieber die Chance, deine Arbeit zu verstehen und dich zu buchen. Gib ihnen einen Anlass zur Neugier! Und eindeutige Informationen. Wenn du das jetzt noch leidenschaftlich verpackst, hast du jeden am Haken.

Stell dir das Bild von der Oma noch einmal vor. Und jetzt mit Text:

Mein Enkel hat mir den schönsten Tag in meinem Leben geschenkt. Er sagte: Oma, dafür bist du nie zu alt! Er hat mich abgeholt und wir sind …

Willst du wissen, wie es weiter geht?

Du klickst und kommst auf eine Seite, auf der ein Fotograf besondere Fotoshoots anbietet: Ein gemeinsamer Tag mit Oma und Enkel. Eine unvergessliche Erinnerung. Macht die Story jetzt Sinn für dich?

2) Ich texte nicht, ich bin Designer. Ich brauche keine Bilder, ich bin Texter.

Hier knüpfe ich an Nr. 1 an:

Natürlich soll dein hauptsächliches Angebot im Mittelpunkt stehen. Du bist spezialisiert Du machst Design, du schreibst, bloggst, textest, illustrierst, fotografierst usw. Das soll deine Zielgruppe auch sehen.

Aber wie bei einem guten Essen, rundet die Weinbegleitung das Menü ab.

Wir sitzen ja nicht mehr auf dem Dorfplatz, auf dem nur ein Metzger, ein Gemüse- oder Weinhändler seine Produkte anbietet.

Im World Wide Web gibt es Millionen Kreative.

Wie möchtest du aus dem riesigen Angebot hervorstechen? Und wie möchtest du wahrgenommen werden?

Wenn du selbst nicht texten oder die passenden Bilder finden kannst, dann suche dir jemand, der es kann. Vernetze dich!

Im Team rundest du dein Angebot ab und präsentierst dich obendrein noch professioneller. Und du signalisierst, dass du über den Tellerrand schauen kannst.

3) Kreativ sein = innovativ sein

Die Gleichsetzung von Kreativität und Innovation ist ein häufiger Gedankenfehler, sogar bei dir (behaupte ich mal frech)!

Ich gebe dir ein Beispiel zur Erklärung:

Nimm an, du bist ein Koch/Köchin. Du hast ein neues Rezept für eine köstliche Kürbissuppe gefunden. Du betrachtest die Reste der Kürbishülle und hast die bahnbrechende Idee, einen Teil als Suppenschale zu benutzen.

Kreativ oder innovativ?

Die Geschichte geht aber noch weiter:
Du präsentierst das neue Rezept deiner Suppe in Kürbisschalen in deinem Restaurant. Deine Gäste sind begeistert. Das Geschmackserlebnis ist einzigartig.

Dein Personal ist genauso begeistert: Es muss viel weniger Geschirr abspülen. Nebenbei stellst du fest, dass man die Schalen haltbar machen kann. Sie sind nun Bestandteil deiner Küchenausstattung.

50 Jahre später wird man sagen, dass durch die Kürbisschalen der Verpackungsmüll weltweit um 20 % reduziert werden konnte. Eine tolle Story!

Kreativ oder innovativ?

Okay, beides. Ich habe die Geschichte aber nicht umsonst in zwei Teile geteilt.

Das ist kreativ

Ein neues Rezept für Kürbissuppe zu entwickeln ist bestimmt kreativ und in spezieller Ausführung auch neu, aber nicht innovativ. Denn Kürbissuppe an sich gab es schon vorher.

Die Fähigkeit, die Kürbisschale nicht als Müll zu betrachten, sondern als neuartigen Teller, ist kreativ. Du hattest eine Idee und warst in der Lage, etwas in dem Abfall zu sehen, was jemand anderes nicht konnte.

Kreativität ist die Erzeugung neuer und nützlicher Ideen.

Sie kann durchaus der „Zünder“ eines innovativen Prozesses werden.

Das ist innovativ

Erst wenn eine kreative Idee Anwendung findet, kann sie zur Innovation werden.

  1. Die Kürbissuppe hat durch ihre Inszenierung Küchengeschichte geschrieben.
  2. Die Kürbisschale hat Arbeitsprozesse in der Küche optimiert
  3. Sie konnte durch ihre Weiterentwicklung sogar in der Verpackungsindustrie eingesetzt werden.

Klar, oder?

Warum kann dich dieser Irrtum Aufträge kosten?

Weil dir und deinem Auftraggeber klar sein muss, was deine Aufgabe als Kreativer überhaupt ist. Ein Auftraggeber, der meint, dass deine kreative Leistung sich innovativ auf seine Produkte auswirkt, wird unter Umständen enttäuscht sein.

Nur wenn du ganz genau weißt, was du leisten kannst, kommt es nicht zu Missverständnissen.

4) Brainstorming hilft auf jeden Fall

Brainstorming ist eine Kreativtechnik, die sich lediglich durchgesetzt hat. Warum? Das weiß ich nicht. (Und wer’s erfunden hat, der gehört verhauen.)

Ich habe auch noch an keinem Brainstorming teilgenommen, das großartige Ideen hervorgebracht hat.

Meistens werden Brainstormings in Gruppen praktiziert. Zu einer Problemstellung darf jeder frei äußern, was er will und niemand darf das Gesagte kritisieren. Alles wird schön notiert.

Hast du in einer Gruppe von Kollegen schon einmal wirklich frei geäußert, was dir durch den Kopf geht?

Das kann peinlich werden! Also, setzt da doch bereits ein Filter ein.

Und wie soll ich einen Gehirnerguss eines anderen weiterentwickeln, wenn ich nicht einmal nachfragen darf, wie er das gemeint hat?

So stelle ich mir konstruktives Arbeiten nicht vor. Du etwa?

Ich habe etwas anderes entdeckt: Ich gehe jeden Morgen 1 Stunde lang auf einen kreativen Spaziergang.

In dieser Zeit notiere ich mir alles, was mir in den Sinn kommt. Meine Verwertungsrate dieser Notizen ist nahezu 100 %, da ich durch die Regelmäßigkeit trainiert bin, meine Gedanken zu etwas Neuem zu kombinieren. (= Kreativität!)

Eine Kreativtechnik kann dir nur einen Rahmen bieten, deine Gedanken zu strukturieren.

Eine qualitativ hochwertige Problemlösung erfordert mehr als ein Brainstorming leisten kann. Sie braucht Erfahrung und Wissen.

5) Wenn ich bei einem Projekt gar nicht mehr weiterkomme, mache ich den „Hausfrauentest“

Bitte, mach das auf gar keinen Fall!

Der „Hausfrauentest“ heißt deshalb so, weil die befragte Person keine Ahnung hat, was sie da tut. (Und da muss man sich bei der Hausfrau entschuldigen, dass dieser Quatsch so heißt.)

Oder hast du schon einmal gehört, dass ein Bäcker einen Klempner bittet, heute einmal die Brötchen zu backen?

Drei Punkte zum Merken:

1. Überlasse wichtige Entscheidungen immer dir selbst!

Du bist der kreative Spezialist auf deinem Gebiet. Wenn du einen Dritten als Auftraggeber hast, dann hast du ein Briefing erhalten, das dich in deinem kreativen Prozess leitet.

2. Solltest du nun doch an einen Punkt kommen, an dem du nicht mehr weiter weißt, dann analysiere genau, woran das liegt!

Brauchst du nur eine Pause, um den Kopf frei zu bekommen? Oder besitzt das Briefing Lücken?

Im ersten Fall reicht es vielleicht schon aus, einmal um den Block zu gehen. Oder gönne dir eine längere Auszeit, um dir Klarheit zu verschaffen.

Im zweiten Fall solltest du dich mit einer gezielt formulierten Frage noch einmal an deinen Auftraggeber wenden. Jeder gute Kunde wird dir dein Engagement hoch anrechnen und deine Fragen gerne beantworten.

3. Solltest du mehrere Varianten für dein Projekt erarbeitet haben, dann sei froh darüber!
Anstatt nun jemand den „Hausfrauentest“ machen zu lassen, kannst du die Varianten weiterentwickeln und dann selbst entscheiden. Trau dich, du bist der Spezialist!

Wichtig: Meistens ist die Variante die beste, die du deinem Kunden am überzeugendsten verkaufen kannst. (Finde Argumente! Daran wirst du am schnellsten sehen, welche Idee top oder hopp ist!)

6) Chaos fördert meine Kreativität

Ätsch, hereingelegt. Tatsächlich kein Irrtum.

Ein unordentlicher Raum fördert deine Kreativität insofern, dass die vielen Blickfänge dich inspirieren können, innovative Lösungen zu finden.

Dein Gehirn wird von einem leeren, aufgeräumten Schreibtisch weniger angeregt.
Klingt erst einmal logisch!

Dennoch kann man mit dem Klischee des Kreativen Chaos aufräumen.

Die romantische Vorstellung einer Künstlermansarde mit etlichen Farbtöpfen und Paletten ist überholt. Sie entspringt dem 19. Jahrhundert, in dem Kreative wie wahnsinnige Genies gehandelt wurden.

Dieses Bild wird heutzutage abgelöst von der Ansicht einer weißen Schreibtischoberfläche, auf der sich Laptop und Co. befinden. Darüber drapiert: Ausgewählte Bücher, Schnipsel, Arbeitsproben, Fotos, Texte, Materialien etc. Objekte, von denen wir denken, dass sie unsere Individualität ausdrücken.

Das Chaos hat eine hippe Struktur bekommen. 😉

Du solltest selbst entscheiden, wie viel Unordnung oder Ordnung dein Schaffensprozess braucht.

7) Klasse statt Masse

Der Irrtum liegt hierbei im Wörtchen „statt“.

Ersetze es mit einem „und“. Klasse und Masse macht dich nachhaltig erfolgreich.

Dabei könnte ich ergänzen: Produziere Klasse, und verkauf Masse!

Denn beides entspannt dich und bringt dir Geld.

Um Klasse zu produzieren musst du intensiv arbeiten: Du möchtest das Produkt oder die Dienstleistung finden, die dich auszeichnet und sich bestens verkaufen lässt.

Bei Masse werden die meisten Kreativen stutzig.

Soll ich verschiedenen Kunden dasselbe Produkt verkaufen, obwohl sie für ein individuelles Ergebnis bezahlen?

Nein, das sollst du nicht! Du sollst weder kopieren, noch betrügen.

Aber du kannst durchaus innerhalb deiner Arbeitsprozesse Strukturen finden, die du mehrfach verwendest oder verkaufst.

Bei einer Bauanleitung oder Nähvorlage ist das ja das Konzept: Einmal entwickelt, vielfach verkauft!

Mit einer Dienstleistung ist das ähnlich, nur vielleicht komplizierter in der konzeptionellen Ausarbeitung.

Beispiel: Wenn du Texter bist, legst du dir eine Sammlung an Textbausteinen an, aus der du schöpfen kannst. Du kombinierst zwar neu, vereinfachst dir die Suche aber erheblich.

Ich möchte betonen, dass Qualität und Mehrwert ganz oben stehen.

Aber auch als Kreativer darfst du Arbeitsschritte automatisieren, die sich auszahlen. Schließlich möchtest du von deiner Arbeit entspannt leben können!

8) Ein neuer Kunde bekommt ein rabattiertes Einstiegsangebot

Halte ich für einen echten Fehler.

Der stellt sich erst nach einiger Erfahrung heraus. Aber da kann man jeden fragen.

Sich unter Wert zu verkaufen, in der Hoffnung, mehr Aufträge zu bekommen und den Kunden zu halten, lohnt sich nicht.

Ganz im Gegenteil: Wenn es zu Nachfolgeaufträgen kommt, ist der Kunde schon einen niedrigen Preis gewöhnt.

Preise im Nachhinein anzuheben, ist kompliziert. Mach’s anders herum!

Du solltest einen Stundenlohn definieren, der deine Kosten deckt und den dein Kunde akzeptiert.

Auf dieser Basis kannst du auch Pauschalen für größere Aufträge errechnen. (Aber vorsichtig: Immer Puffer einbauen und sich ggf. herunterhandeln lassen. Hochhandeln geht nachträglich eher schlecht.)

Tipp: Grundsätzlich sollte deinem Kunden dein Grundpreis klar sein. Ihr braucht beide einen Richtwert, den ihr einhaltet.

Wenn du dann ab und zu etwas gratis beisteuerst, freut sich dein Kunde. So wird er viel eher bereit sein, neue Aufträge zu erteilen oder auch mal eine Extrastunde zu bezahlen.

9) Für Kreativität muss man nicht schlau sein

Gesellschaftlich stehen wir als Kreative immer noch da wie Paradiesvögel. Scheinbar umschwirren uns kreative Gedanken, und wir müssen sie nur herauspicken.

In einigen Köpfen entsteht so der Verdacht, Kreativität habe wenig mit Intelligenz zu tun und viel mehr mit einer Gabe.

Tatsächlich gibt es im Bereich der Gehirnforschung viele Ansätze, wo Kreativität herkommt, aber nur wenig fundierte Ergebnisse.

Der amerikanische Psychologe Joy Guilford definierte bereits 1950 Intelligenz als eingleisig schlussfolgerndes Denken und Kreativität als mehrgleisiges Denken.

(Das eine schließt das andere ja nicht aus!)

Der schwedisch-amerikanische Autor Frans Johannsson bescheinigt kreativen Menschen „niedrige assoziative Barrieren“.

Das bedeutet, Kreative kombinieren Dinge miteinander, die vordergründig nicht zusammen zu passen scheinen.

Vielleicht saß Da Vinci damals unter einem Ahornbaum und beobachtete, wie die Samen zu Boden kreiselten? Und vielleicht hatte er schon damals ein Fluggerät im Kopf, das aussah wie unsere Hubschrauber heute.

Kreative Kombinationsgabe braucht auf jeden Fall ein großes Vorstellungsvermögen. Ob es sich dabei um Intelligenz oder gesunde Neugier handelt, diese Frage bleibt offen.

10) Hätte ich doch lieber etwas Vernünftiges gelernt

Dachte ich, und studierte erst einmal BWL. Mit wenig Erfolg.

Eine kreative Selbstständigkeit ist das Vernünftigste, was du als Kreativer tun kannst.

Mach bitte nichts anderes und bleib am Ball! Die Welt braucht Verrückte wie dich.

Deine Kreativität zeugt davon, dass du das, was du am besten kannst, mit Leidenschaft betreibst. Wie viele können das von sich behaupten?

Du brauchst Durchhaltevermögen. Wissen in vielen anderen Bereichen außerhalb deiner Spezialisierung. Und Verantwortungsgefühl für dein Handeln. Und das jeden Tag, neben Familie, Freunden und Freizeit.

Wenn das nicht vernünftig ist?

Und weil ich dich lieb hab, setze ich noch was oben drauf …

11) Geld macht glücklich

Leider nein.

Wenn es dir gelingt, gelassen zu bleiben und mit deiner Kreativität gutes Geld zu verdienen, dann gehörst du für mich zu den Glücklichen!

Nicht das Geld macht glücklich, sondern dass du weißt, wie viel Geld du brauchst und was du damit vorhast.

Ich zähl auf dich!

Deine Sonja
PS: Lebe das Leben, das du leben willst! Mit Gelassenheit. Und Spaaaß!

Und: Schreib mir mal, wie du dein Geld investierst und was dich daran glücklich macht?!